Diebels Verkauf: Finanzinvestor CKCF übernimmt das Ruder

Tektonische Bewegungen in der Altbierwelt: Die Diebels Brauerei mit sitz im niederrheinischen Issum wechselt den Besitzer. Worüber wir bereits im Juni 2017 berichteten wurde jetzt zur Gewissheit: der hessische Finanzinvestor CKCF übernimmt die Anteile an der Traditionsmarke von der belgischen Anheuser-Busch Inbev-Gruppe, zu der Diebels seit 2003 gehörte. Neben der bekannten Altbier-Marke ist auch die Brauerei Hasseröder (Wernigerode), bekannt für das gleichnamiges Pils, Bestandteil des Deals. Der Gesamt-Kaufpreis soll bei rund 200 Millionen Euro liegen.

Marktführer im Altbier-Segment wechselt den Besitzer

Ein Finanzinvestor als Brauereibesitzer? Das verwunderte viele Experten als die ersten Meldungen vom anstehenden Besitzerwechsel die Runde machten. Immerhin befinden sich die deutschen Brauereien seit Jahren in einer kritischen Situation mit sinkenden Absatzzahlen und verhältnismäßig geringer Marge. Dieser Zustand lässt nicht unbedingt darauf schließen, dass eine vor allem regional verhaftete Marke, die sich auf Altbier, welches hierzulande nur noch gut 4 Prozent des Bierausstoßes ausmacht, ein lohnendes Investiotionsobjekt darstellt. Doch CKCF bemühte sich zuletzt redlich, für positive Stimmung zu sorgen. Man plane langfristige Investitionen in die Marke Diebels und den Standort Issum. Daniel Deistler, Eigentümer des Investmentunternehmens CK Corporate Finance GmbH (CKCF), sprach im Zuge der Übernahme gar von „etwas verstaubten Bier-Juwelen“, denen man nun neuen Glanz verleihen wolle. Nachhaltiges Wachstum sei das erklärte Ziel.

Diebels Brauerei in Issum
Die Diebels Brauerei in Issum, Foto: Sven Tombers, Wikipedia, GNU 1.2

Brauereistandort Issum trotz Diebels Verkauf offenbar gesichert

Diese Ankündigungen stimmte die Belegschaft von Diebels hoffnungsfroh. Bereits einen Tag nach der Übernahme Besuchte Deistler die Brauerei und hielt eine Rede vor den Mitarbeitern, die mit viel Applaus belohnt wurde. Laut dem Betriebsrat sei die Belegschaft top motiviert und freue sich auf die neue Markenoffensive. Vorbesitzer AB-Inbev habe für die Marke Diebels zuletzt nicht mehr viel getan. Nun sollen bis zur Jahresmitte endlich wieder gezielte, neue Werbeaktionen anlaufen, heißt es.

Gegenüber der Rheinischen Post äußerte sich auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zuversichtlich: man sehe große Chancen um die vorhandenen Potenziale der Marke Diebels auszuschöpfen. Durch die angekündigten Investments sei der Brauereistandort Issum zukunftssicher und die rund 215 Arbeitsplätze gesichert.

Hoher Bekanntheitsgrad von Diebels Alt

Diebels erfreut sich deutschlandweit großer Bekanntheit – auch wenn die Ausstoßzahlen zuletzt sanken. Die Brauerei, die am 6. Oktober 1878 als „Dampfbrauerei Josef Diebels Issum“ in Betrieb ging, ist den meisten sicherlich durch den Werbespot von 1992 mit dem bekannten Mario Jordan Jingle „Ein schöner Tag…“ ein Begriff. Damals erlebte die Marke ihre Blütezeit, schmückte auch die Trikots der damaligen Bundesligiten Borussia Mönchengladbach (1994 – 1997) und Fortuna Düsseldorf (1993 – 1998).

Die Spezialisierung auf Altbier erfolgte übrigens erst in den 1970er Jahren. Im folgenden Jahrzehnt steigerte man die Ausstoßmenge sogar auf über eine Million Hektolitern im Jahr und konnte diese Entwicklung bis zum neuen Jahrtausend beibehalten. Im Jahr 2001 war dann mit 1,6 Millionen Hektoliter Altbier der Zenit von Diebels erreicht. Seither sanken die Ausstoßzahlen kontinuierlich und pendelten sich zuletzt bei etwa 350.000 Hektoliter im Jahr 2016 ein.

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